Von iPads und Bildungschancen

Am Freitag, den 31. Mai hat die lokale Presse über die Einführung von Tablets im Unterricht am Daltongymnasium Alsdorf berichtet (Zum Artikel). Wir hatten damit gerechnet, dass Bürgermeister Sonders oder die SPD Ratsmehrheit hierzu öffentlich Stellung nehmen, doch diese blieb bis heute aus. Aus diesem Grund werden wir als Junge Union Alsdorf Stellung beziehen und wollen das Thema Bildungsgerechtigkeit in den Fokus rücken. Ein Kommentar.

Es klingt noch in den Ohren vom Landtagswahlkampf 2017. Mantraartig wurde ein Thema immer wieder wiederholt: „Kostenlose Bildung für Alle“ hieß es in den Reden. „Gerechtigkeit beginnt immer mit Chancengleichheit.“ hieß es im Regierungsprogramm der NRW SPD. Ein ehrenwertes Ziel, welches wir als Junge Union Alsdorf unterstützen, denn gerade im Bereich der Schulbildung darf Bildung nicht abhängig sein vom Status der Eltern. Nur so können wir in unserer Gesellschaft Bildungsgerechtigkeit gewährleisten.

Man möchte also meinen, dass dies nicht nur Wahlkampfthema ist, sondern auch verschriebenes Ziel insbesondere in SPD geführten Städten wie Alsdorf. Umso mehr überrascht es uns, dass es ganz schön still im roten Lager geworden ist seit dem Pressebericht am vergangenen Donnerstag – still um eine Frage der Chancengleichheit.

Zur Sache. Das Daltongymnasium in Alsdorf hat entschieden iPads anzuschaffen um den Schritt zum digitalen Lernen zu ermöglichen. Doch eine kleine Feinheit hierbei ist zu beachten, denn das Daltongymnasium hat entschieden, dass sich die Schülerinnen und Schüler iPads anschaffen sollen. Vorerst natürlich optional, aber ab dem kommenden Schuljahr für jede neue siebte Klasse verpflichtend – soweit so fraglich.

Vor dem Hintergrund der Digitalisierung ist die Einführung von digitalen Endgeräten ein erstrebenswertes Ziel, solange Lehrkräfte weitergebildet und pädagogische Konzepte angepasst sind. Daran ist keineswegs etwas zu kritisieren. Ganz im Gegenteil ist die Digitalisierung in Schulen unserer Meinung nach ein weitreichendes und überaus wichtiges Thema, bei dem auch seitens der Politik viel mehr getan werden muss als bisher. Wir freuen uns, dass das Gymnasium somit in die Zukunft investieren möchte. Einen faden Beigeschmack bekommt es jedoch, wenn die eigentlichen Investierenden die Eltern sind.

Schülerinnen und Schüler bzw. Eltern haben also nun die Möglichkeit aus den folgenden vier Varianten zu wählen:

  1. iPad 32 GB-Bundle wifi ohne Pencil – 349 €
  2. iPad 128 GB-Bundle wifi ohne Pencil – 429 €
  3. iPad 32 GB-Bundle wifi mit Pencil – 439 €
  4. iPad 128 GB-Bundle wifi mit Pencil – 519 €

„Nun ist eine Anschaffung über mehrere Hundert Euro kein Pappenstiel, und die finanziellen Voraussetzungen sind nicht in jedem Elternhaus gleich.“, schrieb die Presse dazu. Da können wir nur zustimmen und für uns als Junge Union ist gerade dies der springende Punkt – nicht der fortschrittliche Umgang mit der Digitalisierung, nicht der Digitalpakt und auch nicht Vergleiche mit Taschenrechnern. Die Frage hier ist eine Frage der Chancengleichheit. Was macht also der alleinerziehende Vater mit zwei Kindern am Daltongymnasium, der jetzt iPads kaufen muss? Was sagen die Geschwister des Kindes, die nicht auf dem Gymnasium sind und kein iPad bekommen? Wie schnell kann sozialer Druck innerhalb einer Klasse entstehen, wenn der eine sich „nur“ die 349 € Variante leisten kann und die andere die 519 € Variante?

Das mögen vielleicht überspitzte Beispiele sein aber dies sind Fragen, vor denen Eltern nun stehen könnten und die Antworten können doch nicht sein: Wir machen einen Sponsorenlauf für die Schülerinnen und Schüler, die sich das nicht leisten können oder wir schauen mal, wie wir allen ein iPad zur Verfügung stellen können, aber erst einmal verpflichten wir alle dazu.

Der Bildungsweg darf nicht abhängig sein vom Portmonee der Eltern. Das ist für uns der allgemeine Konsens. Die Kosten in einer regulären Schullaufbahn sind schon hoch genug mit Klassenfahrten, Abifeiern, grafikfähigen Taschenrechnern und anderen Späßen, bei denen es sicher nicht an ihrer Daseinsberechtigung mangelt. Ob es dann aber der richtige Weg noch ein 500 € schweres iPad oben drauf zu setzen wir als Frage in den Raum stellen.

Für uns steht eins fest: Wer Bildungsgerechtigkeit predigt muss auch Bildungsgerechtigkeit vorleben.Dafür ist es uns aber zu still um Bürgermeister Sonders und die Sozialdemokraten in Alsdorf. Das zeigt sich ja alleine schon an der Tatsache, dass der städtische Ausschuss für Schulen, Sport und Kultur einen Tag vor Veröffentlichung des Artikels tagte und es nicht einmal erwähnt wurde, dass das Gymnasium diesen Schritt wagt. So ist es jedenfalls auch nicht möglich darüber zu debattierten ob und wie eine Finanzierung aus städtischen Mitteln möglich gemacht werden kann. Vielleicht hat aber auch genau dieses Problem Schulleiter Bock mit seinem Satz auf den Punkt gebracht.

„(…) „Die Technik wird so schnell alt, wie soll eine überschuldete Gemeinde aus eigener Finanzkraft da Schritt halten.“, fragt sich Bock. Die logische Folge in den Augen der Schulleitung: „Bring your own device“ – die Schüler bringen eigene Geräte mit, um sie im Unterricht zu nutzen. (…)“

Also muss der Bürger wohl aufkommen, wenn die Stadt Bildungsfortschritt nicht mehr aus der eigenen Tasche gewährleisten kann.

Junge Union Alsdorf

Der Kommentar als PDF:

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